Balm & Creak 02.09.2009

Nach langem hin und her habe ich mich heute für ein Arts&Crafts Special entschieden. Da kommen nämlich gerade, zumindest in Amerika, drei ganz tolle und davon zwei schon lange ersehnte Alben raus.
Das Arts&Crafts Label wurde 2006 von Mitgliedern der Band Broken Social Scene und dem Head of Promotion von Virgin in Kanada gegründet und hat seine Basis in Toronto. Die erste Broken Social Scene Platte We forgot In People war dann 2003 auch die erste Veröffentlichung des Labels, kurz darauf folgte die erste Veröffentlichung der Stars, deren Sänger_innen Jason Collet und Amy Millan ebenfalls dort veröffentlichen. Außerdem gehört u.a. noch Feist zum artist roster, die ein wenig für den Unterhalt der ganzen Community um das Label herum sorgt. Jeder hat irgendwie am Album The Reminder mitgewirkt und bekommt jetzt auch die finanziellen Credits.The American Analog Set, Gonzales, Most Serene Republic oder Apostle of Hustle und The Hidden Cameras sind hier ebenfalls beheimatet, wenn sie auch weit von dem Bekanntheitsgrad einer Feist entfernt sind.
Die letzten drei Alben, die neben einer Deluxe Edition des Solo Piano Albums von Gonzales dort erschienen sind möchte ich heute vorstellen.

Das war grade wohl schwer zu überhören: die Hidden Cameras, deren Album Origin:Orphan am 22. September erscheint (in Deutschland wohl erst im November) und irgendwie ein wenig erwachsener klingt. Man hört viel mehr gezogene, langsame Melodien als sprudeligen Pop, was ich persönlich ein wenig schade finde, und ich glaube, ich werde das Album wohl noch ein paar mal öfter hören müssen um wirklich begeistert zu sein. Das Lied gerade, Kingdom Comes, ist ein eher typisches Hidden Cameras Lied und hätte auch von den Vorgängeralben The Smell of Our Own, Mississauga Goddam oder Awoo stammen können.
Seit dem letzten Album Awoo sind drei Jahre vergangen, die Joel Gibb, der Sänger der Hidden Cameras, wohl viel in Berlin verbracht hat. Da hab ich ihn zumindest das letzte mal beim The Blow Konzert gesehen, wo er ganz fürchtlich am rumflirten war. Aber weg vom gossip, zurück zum Album und zu Colour of a Man, einem der etwas ruhigeren Stücke.

Die Hidden Cameras, galten zu ihren Anfangszeiten ein wenig als die Widerauferstehung des Queercore, einer Bewegung die in den 80er Jahren in Kanada entstand und sich in Zines und Musik aus einer Verbindung von Punk/Hardcore und queeren Thematiken herausbildete. Mit Punk/Hardcore haben die Hidden Cameras aber eher weniger zu tun, der florierenden queeren Szene in Toronto, aus der auch Bands wie Lesbians on Extasy, Final Fantasy oder Kids On TV hervorgegangen sind schon eher. Trotzdem kann ich mich noch gut daran erinnern, dass sich die Hidden Cameras zu hren Anfangszeiten immer beschwerten auf ihre Homosexualität angesprochen zu werden, wo es doch eigentlich viel mehr ums Musik machen gehen sollte und womit sie auch eindeutig Recht haben. Darum kommt hier jetzt In the NA, was schon im Juli als EP herauskam und wozu es auf ihrer Myspace Seite auch einen schönen Remix und ein interessante Video gibt.

Nach In The NA vom neuen Hidden Cameras Album Origin:Orphan habt ihr noch The Little Bit gehört, was mit 2:38 das kürzeste Lied eines Albums ist, dessen Lieder sonst eher 4-6 Minuten lang sind.

Wir machen weiter mit einer anderen lange erwarteten Neuerscheinung, die am 8. September ebenfalls bei Arts&Crafts erscheint, in Deutschland wahrscheinlich auch erst im November. Das neue Album von Amy Millan, der einen singenden Hälfte der Stars heißt Masters Of The Burial, ist ähnlich düster wie ihr Vorgängeralbum, auch wenn ich nicht so viele Whiskey Referenzen wie auf dem letzten Album gehört habe. Schön ist es immer noch. Bezaubernd vielleicht sogar. Das erste Album von Amy Millan Honey from the Tombs erschien 2006 und ich habe mich lange gefragt, ob das wohl ihr einziger Soloversuch bleibt. Aber so ist das zum Glück nicht, auch wenn nicht alle ihre Lieder selbst geschrieben sind, wie das gerade gehörte Run For Me, das im Original von Richard Hawley oder das folgende I Will Follow You Into The Dark, das ein Death Cab for Cutie Cover ist und es auf hier auch zum download gibt.

Das grade gehörte I Will Follow You Into The Dark von Amy Millans zweiter Platte Masters of the Burials ist bei weitem das schnellste Stück, bei den anderen steht ihre etwas fragil, aber doch auch cool und bestimmt nicht naiv klingende Stimme mehr im Vordergrund. Textlich geht es wie beim Vorgängeralbum viel um das alleine sein und unerfüllte Liebesbeziehungen, die sich hauptsächlich durch die sensibel ausgedrückte Unsicherheit und unausgesprochenen Komponenten zwischenmenschlichen Interaktion auszeichnen. Im folgenden Bound geht es beispielsweise um ein Paar, dass keine gemeinsame Basis mehr hat, und sie ihn verlässt, auch wenn sie weiß dass er alleine nicht klar kommt und so auch innerhalb weniger Tage danach im Gefängnis landet. Der Refrain: I’d rather love you than leave, but lovin‘ is just not what we do drückt viel von der Hoffnungslosigkeit aus, die dem Album immer mitschwingt. Oder, wie sie es selber sagt: ‚Dieses Albums ist die Dunkelheit der Nacht. Der Soundtrack für den Zeitraum wenn die Kerze ausgeht und der Traum beginnt. Für die Zeit der Nacht, wo alles was wir probieren zu verdrängen wieder hoch kommt.‘

Das dritte Album des kanadischen Arts&Crafts Labels das ich heute vorstellen möchte kommt von der Band Still Life Still, heißt Girls Come Too, ist am 25. August in Kanada erschienen und das Debut Album einer jungen Band aus Toronto. Die Leute von Arts&Crafts sollen auf sie durch die florierende Haus-Party Szene aufmerksam geworden sein und die meisten Songs wurden auch ohne viel rumgebastel live eingespielt. Und das hört sich dann wie folgendes Knives In Cartoons.

Das letzte Lied freut mich ganz besonders, weil es ein wenig an die Brüchigkeit von Conor Oberst erinnert aber nicht bei den Bright Eyes sondern eher bei den Desaparecidos, die nur ein Album zusammen aufnahmen. Die Band Still life Still, dessen Mitglieder Brendon Saarinen (Gitarre/Vocals), Eric Young (Gitarre/Vocals), Derek Paulin (Bass), Aaron Romaniuk (Schlagzeug) and Josh Romaniuk (Keyboard/Rhytmus) sich schon seit mehr als zehn Jahren kennen, sind inzwischen trotzdem erst Anfang zwanzig und vielleicht wird Brendan ja irgendwann der neue Conor. In den Liedern geht es dann auch viel um das Drumherum des Verliebens und die sensiblen Versuche Vertrauen aufzubauen, wie in Planets oder Pastel, den beiden folgenden Liedern.

Nach diesen drei kanadischen Alben gab es jetzt Musik aus Englad: das war gerade Chaka Demus von der neuen gleichnamigen Jamie T EP, zu der auch bald ein neues Album mit dem Titel Kings and Queens hinzustoßen sollte. Ich verabschiede mich für heute mit zwei ruhigen melancholischen Gitarrenstücken, das eine von Son of the Velvet Rat aus Wien, der mit diesem fünf Minuten Stück einem Will Oldham kaum etwas nachsteht und Lisa Germano, die mit ihrer tieftraurigen Musik begeistert und ein neues Album mit dem Titel Magic Neighbor herausgebracht hat, davon gibt es dann das Lied Snow.

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